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Im Rahmen der Ausstellung „...sie schauen das Antlitz Gottes - Seelsorge nach Totgeburt“.
Netzwerk Leben im Bistum Eichstätt, 25.September - 30. November 2009.
www.seelsorge-nach-totgeburt.de.
Mit freundlicher Unterstützung von Pütz-Roth Bestattung und Trauerbegleitung.
Begleittexte von Fritz Roth und Produzent Tobias Pollmüller.
Musik: Stefan Petschinka, www.pianosolo.com

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by LEBENSFILM Köln

Wir haben nur noch geweint!

Der Tod eines ungeborenen Kindes gehört, wie so vieles was mit Tod zutun hat, zu den großen Tabus in unserer Gesellschaft. Der frühe Kindstod erschüttert Familien, lässt Mütter und Väter in scheinbar unendlicher Trauer zurück. Freunde und Verwandte fühlen sich hilflos, nicht selten kommt es zum Bruch alter Freundschaftsbande, da die Ratlosigkeit häufig mit Rückzug einhergeht. Gerade in solchen Situation sollten wir lernen, hinzuschauen und die Verzweiflung der Trauerden auszuhalten. Trauernde Eltern brauchen Raum und Zeit, um einen Weg zurück ins Leben zu finden.

Als Sabine T. erfuhr, dass sie schwanger war, hätte sie am liebsten vor Glück die buchstäblichen Luftsprünge gemacht. Das Kind, obwohl noch gar nicht geboren, rückte sofort an die erste Stelle in ihrem Leben. Voller Vorfreude kauften sie und ihr Partner Reinhold Babykleidung und eine Wiege und gingen gemeinsam zur Schwangerschaftsgymnastik. Als auf dem Ultraschallbild zu erkennen war, dass Sabine und Reinhold eine Tochter haben würden, einigten sie sich sehr schnell auf einen Namen. Das Baby im Bauch der jungen Mutter war nicht bloß ein heranwachsender Fötus - das war ihr Kind: Annette. Auch Freunde und Verwandte merkten natürlich, dass da plötzlich ein neuer kleiner Mensch ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Teil in Sabines und Reinholds Leben geworden war. Rückblickend sagt Sabine über diese Zeit: "Die Schwangerschaft mit Annette waren die schönsten Monate meines Lebens".

Als die 30. Woche anbrach - bisher war die Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen - geschah das Unfassbare: Annette starb im Mutterleib.

Ich glaube, für Eltern gibt es nichts Schlimmeres als den Verlust eines Kindes. Sabine T. klammert sich an die glücklichen Momente, die sie mit Annette erleben durfte, als sie die sanften Tritte des Ungeborenen in ihrem Bauch spürte und genau merkte, dass Annette in diesem Moment wach war.

Nun, nach dem so schmerzlichen Tod ihrer Tochter möchte Sabine über ihr verstorbenes Kind reden, sie möchte sich erinnern und um Annette trauern. Ihre Eltern verdrängen den schweren Schicksalsschlag, von ihnen hört Sabine Sätze wie „es hat ja noch gar nicht richtig gelebt“ oder „du bist noch jung, du kannst doch noch andere Kinder bekommen“. Ihre Freunde sind verunsichert, niemand traut sich, das Thema anzusprechen.

Aber nicht nur Freunde und Verwandte wenden sich von der Not trauernder Eltern oft ab. Auch Ärzte und Schwestern im Krankenhaus, Pfarrer, Bestatter und Beamte sind häufig hilflos und überfordert. Statt die Betroffenen zu stützen, halten sich viele in ihrer eigenen Hilflosigkeit an Vorschriften und Gesetzen fest. Mit teilweise erschütternden Folgen.

Den „richtigen“ Umgang mit betroffenen Eltern gibt es nicht. Sabine T. traf im Krankenhaus auf einen verständnisvollen Arzt, der sie nicht „schonte“, wie es früher üblich war. Nach der Geburt wurde ihr Annette auf den Bauch gelegt. Zusammen mit Reinhold konnte sie sich von der Kleinen verabschieden. Der Arzt ermutigte Sabine und ihren Mann, sich eigene Trauerrituale auszudenken und sich aktiv mit dem Verlust ihres geliebten Kindes auseinander zu setzen.

Eltern müssen trauern dürfen. Sie müssen über ihre verstorbenen Kinder sprechen können. Dazu brauchen sie Ansprechpartner, die das aushalten. Nicht nur die Kirche, auch wir Bestatter sind an dieser Stelle aufgerufen, Mut zu machen und zu stützen.

Herzlichst, Ihr Fritz Roth

Weiterführende Informationen zur Arbeit

„Wir hätten dich gerne länger bei uns behalten – Wie Eltern trauern.“

„Die dem Film vorangehenden Recherche, Konzeption und die anschließende Umsetzung war eine Arbeit, die auf Grund ihrer Thematik an die Substanz ging und dabei doch Wesentliches sichtbar machte“ so beschreibt Filmemacher Tobias Pollmüller die Entstehung des vorliegenden Films „wir hätten dich gerne länger bei uns behalten – Wie Eltern trauern.“

Der Schmerz des Verlustes sollte auf sensible Art und Weise veranschaulicht werden, darüber hinaus aber auch die Liebe, die Eltern und Angehörige in einer solchen, unermesslich schwierigen Lebensphase in die Ausgestaltung eines Kindersarges investieren. Die Arbeit an dem Sarg ist für viele der Betroffenen nicht nur Auseinandersetzung mit der Unbegreiflichkeit des Verlustes, sondern auch eine letzte Form der liebevollen Sorge um das verlorene Kind.

Gleich zu Beginn eröffnet der Film dem Zuschauer einem Blick auf eine kunstvoll gemalte Landschaft mit einer lachenden Sonne, einem Drachen und einem Piloten mit seine Propellerflugzeug. Erst auf den zweiten Blick erkennt der Zuschauer, dass diese Zeichnung keinem Kinderbuch entstammt, sondern einen Sarg ziert, den die Eltern des verstorbenen Kindes aufwändig bemalt haben.

Der Film besteht ausschließlich aus Fotografien und Briefen, die digitalisiert und anschließend mittels modernster Film- und Computertechnik in eine filmische Sequenz verwandelt wurden. Nur an wenigen Stellen zeichnet sich halbtransparent eine Dünenlandschaft im Hintergrund ab. Am Himmel erkennt man bei genauem Hinsehen einen gelben Drachen mit rotem Schweif, der auf prägende Kindheitserlebnisse verweist, welche für verwaiste Eltern nicht mehr erlebbar sind. So entsteht ein ständiges Spannungsfeld zwischen der Schmerzhaftigkeit der Situation und der liebevollen, kindgerechten Bemalung und Dekoration der Särge. Auch Geschwisterkinder können ihrer Trauer kreativ Ausdruck verleihen (vgl. dazu das Bild im Film, auf dem der Sarg in der Darstellung des Bruders zu einem Schiff wird: „Ein Riesenschiff für Marla“).

Handabdrücke der Familienmitglieder finden sich häufig auf den selbstgestalteten Särgen. Sie sind ein letzter Gruß. Ein „du bist Teil von mir“, ein „ich lasse dich nicht los“.

Wie kleidet man ein Kind auf seiner letzten Reise? Eine Antwort darauf kann zum Beispiel ein selbstgestrickter „Schlafsack“ sein, wie er ebenfalls im Film zu sehen ist. Dieses Bekleidungsstück setzt in Farbe und Ausgestaltung die schlichte aber prägnante Ästhetik des Sarges mit der weißen Taube, der zuvor gezeigt wurde, fort und wurde von der Mutter des verstorbenen Kindes angefertigt.

Die Art der Sarggestaltung ist höchst individuell und bleibt ganz den Angehörigen und Ihren Bedürfnissen überlassen. Der Film zeigt eine nicht repräsentative Auswahl von Arbeiten verschiedener Eltern, die ihre Kinder im Hause Pütz-Roth, Bergisch Gladbach, verabschiedet haben. Der Dank der Filmemacher gilt auch Fritz Roth und seiner Familie für die freundliche Unterstützung dieser Arbeit.